Palettenregal-Zubehör: Welche Erweiterungen lohnen sich wirklich?

Wer ein Palettenregal plant, denkt zuerst an Regalständer, Traversen und Traglast. Verständlich, denn das ist das Grundgerüst. Doch im Tagesbetrieb entscheidet sich an einer anderen Stelle, ob ein Lager wirklich funktioniert: beim Zubehör. Ein angefahrener oder beschädigter Regalständer, eine durchgeschobene Palette oder Ware, die nicht auf eine Palette passt, sind keine Materialfehler. Sie zeigen, wo die Ausstattung nicht zur Realität im Lager passt.
Ein Palettenregal steht selten allein. Erst das richtige Zubehör entscheidet darüber, ob ein Lager sicher läuft, jede Palette ihren Platz hat und der Stapler keinen Schaden anrichtet. Welche Erweiterungen Pflicht sind, welche bares Geld sparen und welche eher optional sind. Hier kommt der Überblick aus der Praxis.
Die gute Nachricht: Fast jede dieser Lücken lässt sich mit dem passenden Zubehör schließen, oft auch noch Jahre nach der Erstmontage. Dieser Ratgeber zeigt, welche Erweiterungen es für Palettenregale gibt, welche Bauteile für mehr Sicherheit sorgen und welche Lösungen im Alltag Schäden, Stillstand und unnötige Kosten vermeiden können.
Das Wichtigste in Kürze:
- Sicherheit zuerst: Anfahrschutz und Durchschubsicherung sind keine Extras, sondern in vielen Lagern nach der DIN EN 15635 vorgeschrieben.
- Flexibilität: Gitterböden und Fachböden machen ein Palettenregal auch für Kartons, Kleinteile und ungewöhnliche Ware nutzbar.
- Ordnung & Effizienz: Etikettenhalter und Trennsysteme sparen täglich Suchzeit.
- Nachrüstbar: Die meisten Erweiterungen lassen sich auch in bestehende Regale integrieren.
Schutz-Zubehör: Was Pflicht ist
Stapler und Stahl vertragen sich schlecht. Die häufigste Schadensursache an Palettenregalen ist nicht Überlastung, sondern der Anfahrschaden – ein unbemerkter Rempler an der Stütze, der die Tragfähigkeit des gesamten Rahmens beeinträchtigt. Deshalb steht Schutz-Zubehör in jeder Prioritätenliste ganz oben.
Anfahrschutz & Rammschutz
Der Anfahrschutz wird vor die unteren Enden des vorderen Pfostenprofils montiert und fängt den Aufprall ab, bevor er den Regalständer erreicht. Es gibt ihn in mehreren Bauformen, die sich nach Einsatzort unterscheiden:
- L-Form – für das Ende bzw. Stirnseiten von Regalzeilen zu Gängen bzw. Fahrwegen
- U-Form – umschließt die Stütze von drei Seiten, ideal für stark frequentierte Gänge.
- Pfosten- und Pollerschutz – freistehend im Boden verankert, schützt Durchfahrten und Kreuzungen.
- Anfahrschutzplanken / Flurförderabweiser – schützen offene Stirnseiten an Fahrwegen oder bei Durchfahrten vor Staplerkontakt. Sie sind für Einzel- und Doppelregale in passenden Längen erhältlich
Standardmäßig sind diese Elemente gelb-schwarz gekennzeichnet, damit sie gut sichtbar sind, und werden mit Bodenankern im Hallenboden befestigt.
Rechtlicher Hinweis: Die Ausstattung mit Anfahrschutz an gefährdeten Stellen z.B. bei Fahrwegen, Gängen und Durchfahrten ist nach DGUV 208-061 vorgeschrieben. Spätestens bei der jährlichen Regalprüfung nach DIN EN 15635 wird kontrolliert, ob die Schutzeinrichtungen vorhanden und intakt sind.
Durchschiebesicherung
Die Durchschubsicherung wird bei schmalen Regaltiefen von 800-850 mm mit Qereinlagerung in Kombination mit Einlegemitteln verwendet.
Eine weitere Anwendung gibt es bei Doppelregalreihen, wenn der Abstand der Regale zwischen den Regalen nicht ausreicht (1.100 mm + Europalette = mind. 200 mm / 1.100 mm + Gitterbox = 280 mm usw.).
In diesem Fall verhindert die Durchschubsicherung, dass wir von einer Seite eine Palette zu weit ins Regal schieben und auf der anderen Seite eine Palette von der Traverse geschoben wird und im Gang jemanden verletzt beim Herabfallen.
Gitterrückwände & Absturzsicherung
Wo Regale an Verkehrswege, Arbeitsplätze oder Durchgänge grenzen, sorgen Gitterrückwände dafür, dass keine Ware nach hinten in den Gang oder Arbeitsbereich fallen kann.
Rückwandgitter sind Pflicht und können nicht durch eine Durchschubsicherung ersetzt werden.
Einlegemittel, Auflagen & Böden: Mehr als nur Paletten lagern
Ein Palettenregal lagert Paletten, aber was, wenn die Ware lose ist, in Kartons steckt oder schlicht kleiner als eine Europalette ist? Dann fehlt die Auflagefläche, und genau hier setzen Böden und Auflagen an. Sie verwandeln ein reines Palettenregal in ein flexibles Lagersystem.
| Erweiterung | Wofür | Typischer Nutzen |
|---|---|---|
| Gitterroste | Europaletten, Eurogitterboxen, Industriepaletten, Halbpaletten oder Sondermaße, Kartons, Euroboxen | Passend zum Ladungsträger bzw. der Fachlast geplant kann die Gitterroste Punktlasten aufnehmen, was speziell für Eurogitterboxen mit Ihren vier Standfüßen wichtig ist, guter Sicht von oben und unten. Luft- und wasserdurchlässig, speziell ab 7,5m und mehr oft besser geeignet für Brandschutzkonzepte als geschlossene Böden |
| Spanplatten | Kartons, Behälter oder empfindliche Ware | Geschlossene, ebene Fläche. Praktisch, wenn Ware nicht auf einem Gitterrost stehen soll oder eine durchgehende Auflage braucht. Kann durch Tiefenstege verstärkt werden, aber ist nicht für Punktlasten ausgelegt. Meist verbreitet 38 mm Stärke. Empfindlich bei Feuchtigkeit bzw. Wasser. |
| Drahtgitterboden | Europaletten, Industriepaletten, Euroboxen (bis 30kg) | Als Schutz gegen das Abrutschen beim Beladen der Regale praktisch, gute Sicht wie bei den Gitterrosten. Nicht für Punktlasten ausgelegt. |
| Tiefenstegrahmen | Eurogitterboxen und teilweise Sonderpaletten | Sorgen für eine sichere Auflage des Lademittels, wenn dieses nicht sauber oder nicht ausreichend auf den Traversen steht. |
Praxis-Tipp: Die passende Ausführung hängt von mehreren Faktoren ab: Ladungsträger, Traversenlänge, Profiltiefe, Auflagefläche und benötigter Tragfähigkeit. Beim Nachrüsten müssen die vorhandenen Maße und die zulässige Belastung der Regalanlage geprüft werden. Ein zu großer Gitterboden liegt nicht sauber auf, ein zu kleiner nutzt die Auflage nicht richtig. Im Zweifel reichen oft ein Foto, die Maße der Ebene und ein Blick auf das Belastungsschild, um die passende Lösung zu finden.
Organisation: Zubehör für den Alltag
Sicherheit und Tragfähigkeit sind die Pflicht. Die Kür ist die Organisation – und sie zahlt sich jeden Tag aus, weil sie Suchzeiten und Fehlgriffe reduziert.
- Etikettenhalter & Magnetetiketten – machen jeden Lagerplatz eindeutig auffindbar. Magnetlösungen lassen sich umstecken, ohne zu kleben oder Rückstände zu hinterlassen – ideal bei wechselnden Sortimenten.
- Magnetband & Beschriftungsstreifen – für eine flexible, wiederbeschreibbare Kennzeichnung ganzer Regalzeilen.
- Fachteiler & Trennbleche – halten kleinteilige oder lose Ware in Ordnung, wo keine festen Kartongrößen vorliegen.
- Belastungsschilder – sind Pflicht-Kennzeichnungen und zeigen die zulässige Feld- und Fachlast gut sichtbar am Regal. Nach Umbauten, Erweiterungen oder geänderter Nutzung müssen die Angaben geprüft und in den meisten Fällen aktualisiert werden.
Bodenanker & Ausgleichsbleche – das unsichtbare Fundament
Zwei kleine Bauteile, die leicht übersehen werden, aber über die Standsicherheit entscheiden: Bodenanker (Blitzanker) verankern die Regalrahmen fest im Betonboden, ein nach Norm vorgeschriebener Schritt. Ausgleichsbleche (Unterlegbleche) gleichen Bodenunebenheiten aus, damit der Rahmen exakt senkrecht steht und die Last sauber abträgt. Beides gehört zu einer fachgerechten Montage dazu.
- Wie wird be- und entladen? Staplerverkehr und Flurförderfahrzeuge erhöhen den Bedarf an Anfahrschutz deutlich.
- Was wird gelagert? Reine Palettenware kommt mit wenig Zubehör aus. Sobald Kartons, Kleinteile oder Sonderformate dazukommen, werden Einlegemittel wie z.B. Gitterroste, Drahtgitterböden und Spahnplatten zum Thema.
- Wo steht das Regal? Grenzt es an Verkehrswege oder Arbeitsplätze, kommen Rückwandgitter und Absturzsicherungen ins Spiel.
Welches Zubehör braucht Ihr Lager?
Nicht jedes Lager braucht alles. Die sinnvolle Auswahl hängt von drei Fragen ab:
Ein Vorteil, der oft unterschätzt wird: Viele Erweiterungen lassen sich nachrüsten. Wer heute mit einer schlanken Grundausstattung startet, kann sein Palettenregal später anpassen, sobald sich Sortiment, Abläufe oder Sicherheitsanforderungen ändern. Wichtig ist nur, dass das Zubehör zum vorhandenen Regalsystem passt. Dafür müssen unter anderem Traversenlänge, Rahmentiefe, Auflagefläche, Tragfähigkeit und Punktlast geprüft werden.
Kompatibilität beachten: Anfahrschutztechnik, Einlegemittel, Durchschubsicherungen und andere Zubehörteile sind oft systemspezifisch. Zubehör eines Herstellers passt nicht automatisch zu einem Regal eines anderen Herstellers. Eine kurze Prüfung vorab, kann Fehlkäufe und unnötige Standzeiten verhindern.
Häufige Fragen zum Palettenregal-Zubehör
Ist Anfahrschutz für Palettenregale Pflicht?
Ja, die Ausstattung mit Anfahrschutz an gefährdeten Stellen z.B. bei Fahrwegen, Gängen und Durchfahrten ist nach DGUV 208-061 vorgeschrieben. Spätestens bei der jährlichen Regalprüfung nach DIN EN 15635 wird kontrolliert, ob die Schutzeinrichtungen vorhanden und intakt sind.
Kann ich Zubehör auch nachträglich an ein bestehendes Regal montieren?
Meistens ja, viele Erweiterungen lassen sich nachrüsten. Wer mit einer schlanken Grundausstattung startet, kann sein Palettenregal später anpassen, sobald sich Sortiment, Abläufe oder Sicherheitsanforderungen ändern. Wichtig ist nur, dass das Zubehör zum vorhandenen Regalsystem passt. Dafür müssen unter anderem Traversenlänge, Rahmentiefe, Auflagefläche, Tragfähigkeit und Punktlast geprüft werden.
Was ist der Unterschied zwischen Gitterboden und Fachboden?
Ein Gitterboden ist offen, lässt Wasser durch und ermöglicht eine gute Sicht von oben und unten. Deshalb wird er je nach Brandschutzkonzept oft gegenüber geschlossenen Böden bevorzugt. Ein Fachboden aus Span- oder Holzplatte bietet eine geschlossene, ebene Fläche. Das ist praktisch für Kartons, Behälter, Kleinteile oder empfindliche Ware, die nicht auf einem Gitterrost stehen soll.
Wie finde ich heraus, welches Zubehör zu meinem Regal passt?
Wichtig sind Hersteller, Regalsystem, Traversenlänge, Rahmentiefe, Auflagefläche und Tragfähigkeit. Einige Angaben stehen auf dem Belastungsschild, andere lassen sich direkt am Regal messen. In der Praxis reichen oft Fotos, Maße und ein Blick auf das Belastungsschild, um das passende Zubehör einzugrenzen.
Brauche ich für ein Doppelregal eine Durchschubsicherung?
Die Durchschubsicherung wird bei schmalen Regaltiefen von 800-850 mm mit Qereinlagerung in Kombination mit Einlegemitteln verwendet. Eine weitere Anwendung gibt es bei Doppelregalreihen, wenn der Abstand der Regale zwischen den Regalen nicht ausreicht (1.100 mm + Europalette = mind. 200 mm / 1.100 mm + Gitterbox = 280 mm usw.).
In diesem Fall verhindert die Durchschubsicherung, dass wir von einer Seite eine Palette zu weit ins Regal schieben und auf der anderen Seite eine Palette von der Traverse geschoben wird und im Gang jemanden verletzt beim Herabfallen.